PACKAGING

Packaging Mock-Ups? Wir haben die Antworten

Ein Interview mit Alexander Stratakis

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Andreas Schambeck, Business Development Director bei SGK hat mit Alexander Stratakis, Experte für Packaging Mock-Ups bei SGK Wien, über den Nutzen von physischen Prototypen im Digitalzeitalter gesprochen.

Hallo Alex, ich freue mich sehr, mit Dir heute über ein interessantes Thema und eine persönliche Leidenschaft von Dir sprechen zu können. Es geht um Mock-Ups, Prototypen und Muster in den Bereichen Packaging und POS. Bevor wir hier weiter loslegen, was genau ist ein Mock-Up?

Mock-Ups sind ein wichtiger Aspekt im Zuge konzeptioneller Arbeit. Sie stellen realistische Nachbildungen von Produkten oder Verpackungen dar und enthalten alle relevanten Design- und Konstruktionsmerkmale. In meiner Freizeit bin ich dem Modellbau verbunden. Diese Erfahrung und Leidenschaft bringe ich natürlich für die Kreativprojekte und Mock-Up-Produktionen unserer Kunden ein.

Was ist denn der Unterschied zwischen einem Prototyp und einem Mock-Up?

Die Begriffe Mock-Up und Prototyp werden oft synonym verwendet. Im Prinzip kann man sagen, dass ein Mock-Up sich mehr auf das Design selbst konzentriert, während ein Prototyp stärker auf die Funktionalität ausgerichtet ist.

Du arbeitest täglich mit den Produkt-/Brandmanagern unserer Kunden und unseren Kreativteams zusammen. Wer entscheidet über den Einsatz von Mock-Up oder Prototyp?

Oftmals gibt es konkrete Anforderungen auf Seiten unserer Kunden. Sie brauchen zu einem frühen Zeitpunkt im Produktentwicklungsprozess möglichst realistische, nahezu finale Muster. In einigen Situationen empfehlen wir die Erstellung von Mock-Ups. In diesen Fällen vertraut das Kundenmarketing auf unsere Expertise und erkennt den Mehrwert, den Mock-Ups bieten können. Wenn wir die Intention unseres Kunden kennen und verstehen, können wir in einem Abstimmungsgespräch meist schnell eine passende Idee und Lösung skizzieren, die der Phase im Prozess und den notwendigen Anforderungen entspricht.

Welche Vorteile bieten deiner Meinung nach Mock-Ups im Vergleich zu rein digitalen Visualisierungen?

Unsere Designer visualisieren Ideen und Entwürfe eigentlich immer auch digital in 3D. Das hilft unserem Team beim internen Kreativprozess und unseren Kunden zur späteren Beurteilung, Absprache und Entscheidungsfindung. Ein physischer Mock-Up hat aber noch mal ganz andere Qualitäten als eine rein digitale Visualisierung oder gar plane Betrachtung. Durch die Ansprache verschiedener Sinne, wie Tasten, Hören und manchmal sogar Riechen, bekommt man ein viel intensiveres Gefühl für das Produkt. Ein physisches Muster kann tatsächlich in der Hand gehalten werden. Unsere Kunden können es im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“ und so tatsächlich besser verstehen und beurteilen.

Für welche Zwecke werden denn die Mock-Ups genutzt?

Das können zum Beispiel strategisch-konzeptionelle Überlegungen in einer frühen Phase sein, wenn es um Materialeinsatz und Funktionalität geht. Mock-Ups werden häufig für Fotoshootings und Videoaufnahmen verwendet, dienen aber auch als voll funktionsfähige Präsentationsobjekte in einer Kleinauflage bei Messen. Oftmals spielt die Haptik eine entscheidende Rolle. Unter anderem, wenn die Mock-Ups für Marktforschungszwecke, Store-Checks oder Testmärkte eingesetzt werden.

Du hast die Haptik und deren Wichtigkeit angesprochen. Welchen Einfluss können wir denn bei der Musterproduktion hier überhaupt nehmen?

Keine Mock-Up-Produktion gleicht der anderen und dabei spielt der Verwendungszweck eine entscheidende Rolle. Je nach Einsatz wechselt mal das Substrat, mal die Veredelung, mal ist die Konfektionierung eine andere. Ein gutes Beispiel hierfür ist eine Chips-Verpackung. Um die Metallisierung zu simulieren, müssen wir zunächst auf eine transparente Folie drucken und diese dann auf eine metallisierte Trägerfolie laminieren. Die metallisierenden Effekte entsprechen dabei nahezu zu 100% denen des Originals. Die Versiegelung wird, wie beim Original, durch Verschweißen erzielt. Entscheidend sind oft Ideenreichtum, Experimentierfreude und am Ende eine Portion Perfektionismus. Wir wollen einen echten Wow-Effekt für unsere Kunden und deren Zwecke. Aber realistisch!

Was heißt das konkret?

Natürlich setzen uns die Physik, eingesetzte Technologien und verfügbare Materialien diverse Grenzen. Auch wollen Kosten und Budgets berücksichtigt werden. Dennoch loten und reizen wir die Möglichkeiten aus. Wenn möglich setzen wir immer Originalsubstrate ein. Manchmal kaschieren wir Folien, setzen partielle Lackierungen ein, prägen, kreieren Verschlüsse im 3D Druck, und vieles mehr. Es sind kaum Grenzen gesetzt.

Sicherlich gab es schon Projekte mit speziellen Herausforderungen. Oder besondere Highlights, bei denen unsere Mock-Ups glänzen konnten. Die gab es. Wir wurden beauftragt, 300 Bierdosen-Mock-Ups für eine Lebensmittelmesse in China zu erstellen. Das Kundenziel bestand darin, eine Marke speziell für den asiatischen Markt zu bewerben. Da die Mock-Ups auf der Messe zum Verzehr vorgesehen waren, mussten wir sicherstellen, dass unsere Herstellungsprozesse den lebensmittelechten Standards entsprachen. Ein anderer Kunde hat uns mit dem Auftrag von Mock-Ups für einen Fotoshooting auf Sansibar beauftragt. Diese mussten sämtlichen Elementen wie Salzwasser, Hitze, starke Sonneneinstrahlung und Wind standhalten. Am spektakulärsten war aber der Launch einer neuen Billa-Produktlinie (REWE). Hierfür benötigte der Kunde hochwertige XL-Mock-Ups, um die neue Produktlinie in den Filialen zu präsentieren. Die Vorgabe lautete, eine XL-Milchverpackung im neuen Look zu gestalten. Nachdem der Prototyp fertiggestellt und vom Kunden genehmigt wurde, ging es an die Erstellung der Mock-Ups für die einzelnen Filialen. Insgesamt wurden 30 übergroße Mock-Ups entwickelt, was auch eine spannende logistische Herausforderung darstellte. Die XL-Mock-Ups erregten die Aufmerksamkeit der Konsumenten und trugen maßgeblich zum erfolgreichen Launch der neuen Produktlinie bei.

Es ist beeindruckend zu hören, was wir alles können und/oder bereits realisiert haben. Du und die Kollegen in Wien haben hier ein großes Know-How aufgebaut. Was ist denn wichtig in Hinblick und Vorbereitung auf Mock-Up-Produktionen zu bedenken?

Unsere Erfahrung zeigt, dass diese sechs Punkte entscheidend sind:

1. Klare Zielsetzung: Es ist wichtig, von Anfang an genau zu definieren, welches Ziel mit dem Mock-Up verfolgt wird.

2. Genauigkeit und Detailtreue: Um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, sollten Mock-Ups so genau wie möglich die geplanten Design- und Konstruktionsmerkmale widerspiegeln.

3. Materialauswahl: Die Wahl der Materialien ist entscheidend, um die gewünschte Qualität und Ästhetik des Mock-Ups zu erreichen.

4. Zeitplanung und Ressourcen: Die Produktion von Mock-Ups erfordert Zeit und Ressourcen. Es ist wichtig, ausreichend Zeit für Planung, Design, Produktion und eventuelle Anpassungen einzuplanen.

5. Kostenkontrolle: Mock-Up-Produktionen können kostenintensiv sein. Es ist daher ratsam, das Budget im Blick zu behalten und Kostenfaktoren wie Materialkosten, Arbeitsstunden und eventuelle externe Dienstleistungen bestmöglich zu planen.

6. Kommunikation und Feedback: Eine enge Zusammenarbeit mit dem Kunden und den beteiligten Teams ist essenziell.


Wir hatten zu Beginn über die Einsatzzwecke von Mock-Ups gesprochen. Welche weiteren Leistungen spielen für Eure Kunden in Österreich noch eine Rolle?

Mock-Ups sind Arbeitsschritt und wichtiges Hilfsmittel bei vielen Produkt- und Marketingentscheidungen. Unsere vielleicht spektakulärsten Projekte haben aber nicht immer mit einer Entscheidung im Bereich Packaging zu tun, sondern dienen oftmals Präsentationszwecken. Unser Handwerk kann hier also auch Teil von POS- und Event-Aktivitäten und weiteren Anforderungen im Bereich Brand Experiences sein.

Das heißt unsere Kunden können mit Euch über eine ganze Bandbreite von Anforderungen im Marketing sprechen?

Auf jeden Fall. Auch wenn wir historisch bedingt eine besondere Expertise in der Druckvorstufe für Verpackungen haben, sind wir heute Ansprechpartner für umfassende Kreativleistungen in der Marketing-Kommunikation. Letztendlich bietet unser SGK Netzwerk ja die Power sowohl national als auch über Grenzen hinweg für unsere Kunden aktiv zu sein.

Über Alexander Stratakis

Alex verfügt über 25 Jahre Berufserfahrung in der Kundenbetreuung und dem Projektmanagement und ist als Graphics Coordinator bei SGK Wien in vielfältige Kreativprojekte eingebunden. Mit seiner fundierten Expertise ist er Dreh- und Angelpunkt für alle Fragen rund um das Thema Mock-Up und Ansprechpartner für die Marketing- und Produktmanagement Teams unserer Kunden.

Über Andreas Schambeck

Andreas ist erfahren in der Welt des Branding, der Marketingkommunikation und insbesondere der gesamten Lieferkette für Verpackungsgrafik. Als Teil des Business Development Teams bringt er über 30 Jahre Erfahrung aus verschiedenen Branchen und Zielmärkten mit. In erster Linie unterstützt er Markeninhaber und Einzelhandelskunden dabei, ihr Marketing-Ökosystem bestmöglich zu organisieren, um noch agiler, effizienter und konsistenter zu sein.